Schutzmaßnahmen gegen Radon – Was sie alles beachten müssen

Radon entsteht beim radioaktiven Zerfall von Uran in den Gesteinen der Erde. Es ist ein Edelgas, das also natürlicherweise im Erdreich vorkommt.

Nach der Vorstellung des Bohrschen Atommodels hat ein Edelgas die Eigenschaft, dass die äußere Elektronenschale vollständig mit Elektronen gesättigt ist. Deshalb reagiert ein Edelgas nicht mit anderen Atomen, es geht also keine Verbindungen ein, sondern liegt als einatomiges Gas vor. Also ist Radon außerordentlich mobil und durchwandert Erdschichten nahezu ungehindert. Radon selbst ist auch radioaktiv. Zudem ist Radon siebenmal schwerer als Luft und hat eine vergleichsweise lange Halbwertzeit von 3,8 Tagen. Die Zerfallsprodukte von Radon sind nicht mehr gasförmig, sondern sind – man soll es kaum glauben – ultrafeine Partikel.

Diese fünf Eigenschaften führen dazu, dass Radon zu einer ernsthaften gesundheitlichen Gefahr in unseren Häusern werden kann:

Es strömt sehr leicht durch Undichtigkeiten oder poröse Baustoffe in die erdberührenden Unter- und Erdgeschosse unserer Gebäude ein, reichert sich wegen seines Gewichts dort an und verweilt lange. Es zerfällt in feinste Partikel, die wir einatmen. Diese Folgeprodukte verbleiben in der Lunge, haben kurze Halbwertzeiten und zerfallen unter Abgabe von Alpha- und in der Folge auch Betastrahlung, um schließlich bei Blei-210 mit einer Halbwertzeit von 22,3 Jahren zu landen, das quasi das gesamte Leben in der Lunge verbleibt und munter vor sich hin strahlt.

Die Konzentration von Radon im Boden variiert stark. Zwar existiert eine Radonkarte für Deutschland, diese ist jedoch sehr grob gerastert. Eine Prognose für ein Gebiet, eine Kommune oder gar einen Bauplatz lässt sich daraus keinesfalls ableiten. Selbst lokal variieren die Messwerte stark. Zudem ist die Exhalation (das Ausströmen aus dem Boden) starken jahres- und tageszeitlichen Schwankungen unterworfen.

Vollständige Sicherheit kann deshalb, auch außerhalb der Vorsorgegebiete, nur eine Langzeitmessung bringen.

Wie wird eine Messung durchgeführt?

Aus den vorgenannten Gründen und um eine bundeseinheitliche Qualität der Radonmessungen am Arbeitsplatz sicherzustellen, muss über einen Zeitraum von 12 Monaten gemessen werden. Damit wird der Jahresmittelwert festgestellt.

Ein weiteres Kriterium der Qualitätssicherung ist, dass nach § 155 der Strahlenschutzverordnung die Messungen mit Messgeräten von durch das BfS anerkannten Anbietern durchgeführt werden müssen.

Von diesen beiden Grundsätzen abweichende Messungen werden durch die zuständigen Behörden nicht anerkannt!

Verantwortlich für einen Arbeitsplatz lt. Strahlenschutzgesetz ist, „wer in seiner Betriebsstätte eine Betätigung beruflich ausübt oder ausüben lässt“ (also auch Selbständige!) oder „in wessen Betriebsstätte ein Dritter in eigener Verantwortung eine Betätigung beruflich ausübt oder von Personen ausüben lässt, die unter dessen Aufsicht stehen“. Auf Deutsch: Der/die Gewerbetreibende, die Mitarbeiter*innen und Fremdfirmen auf der Betriebsstätte. Die Messung kann in Eigenregie erfolgen oder die Messung kann an eine externe Person (Gutachter, Sachverständiger, Messinstitut) übertragen werden. Im Falle von umfangreichen Messungen ist letzteres durchaus sinnvoll, denn die ordnungsgemäße Dokumentation der Messungen ist ebenfalls Bestandteil der Qualitätssicherung, die von den Ordnungsbehörden geprüft werden kann. Jeder einzelne Messpunkt muss hinsichtlich des genauen Ortes und des Zeitraumes sowie der Person, die auf- und abgebaut hat, auch nach Jahren noch nachvollziehbar sein. Ein professionelles Probenahmeprotokoll, am besten mit Unterstützung von Fotos der Probenahmestellen, ist unbedingt Bestandteil der Dokumentation!

Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz

Es ist ein abgestuftes Vorgehen zur Messung der Radonkonzentration am Arbeitsplatz sowie für die daraus resultierenden Maßnahmen vorgesehen.

Stufe 1: Messung der Radonkonzentration am Arbeitsplatz

Das Strahlenschutzgesetz verpflichtet Gewerbetreibende, die Radon-Konzentrationen an Arbeitsplätzen zu messen, wenn

  • sich die Arbeitsplätze im Keller oder Erdgeschoss eines Gebäudes befinden, das in einem Radon-Vorsorgegebiet liegt oder
  • die Arbeitsplätze einem Radon-Arbeitsfeld zuzuordnen sind (Radon-Heilbädern oder Radon-Heilstollen, Anlagen der Wassergewinnung, -aufbereitung und -verteilung oder Bergwerke, Besucherbergwerke, Schächten oder Höhlen) oder
  • die zuständige Landesbehörde eine Messung anordnet, wenn der Verdacht besteht, dass an dem Arbeitsplatz erhöhte Radon-Konzentrationen vorliegen.

Diese gilt auch für Arbeitsplätze von Fremdfirmen, die in der eigenen Betriebsstätte tätig sind!

Erhöhte Radon-Werte in Gebäuden können auch außerhalb von Radon-Vorsorgegebieten vorkommen, so dass Radon-Messungen an Arbeitsplätzen auch dort, wo keine Pflicht dazu besteht, zu empfehlen sind. Nur eine Messung gibt Sicherheit. Leid und Tod können durch eine einfache Messung vermieden werden.

Weitere Messungen sind durchzuführen, wenn neue Arbeitsplätze eingerichtet werden, die räumlich bisher nicht vorhanden waren (Neubau oder Umnutzung) oder wenn bauliche Veränderungen stattgefunden haben.

Liegen die Jahresmittelwerte der Radon-Konzentration allen Arbeitsplatz unterhalb des Referenzwertes von 300 Becquerel pro Kubikmeter, haben Gewerbetreibende mit Messung, Aufbewahrung des Ergebnisberichtes und Information über die Ergebnisse ihre gesetzliche Pflicht erfüllt.

Liegt hingegen mindestens ein Wert über 300 Bq/m³ folgt Stufe 2.

Stufe 2: Maßnahmen zur Senkung der Radon-Konzentration an Arbeitsplätzen bei Überschreitung des Referenzwertes

Es empfiehlt sich zu prüfen, ob die Radon-Konzentration am Arbeitsplatz mit vertretbarem Aufwand zu senken ist, auch wenn sie unterhalb des Referenzwertes von 300 Becquerel pro Kubikmeter liegt. Es gibt kein Null-Risiko!

Lassen Sie sich schnell von unserem Expert*innenteam beraten. Denn Maßnahmen zur Senkung der Radonkonzentration müssen innerhalb von 12 Monaten nach Vorliegen der ersten Messergebnisse umgesetzt sein. Das Strahlenschutzgesetz sieht vor, dass innerhalb von 24 Monaten, nachdem die Ergebnisse der ersten Messung vorlagen, mit einer erneuten 12-monatigen Messung (Kontrollmessung) überprüft werden muss, wie erfolgreich die Maßnahmen waren.

Für die Kontrollmessungen gelten exakt dieselben Vorgaben wie bei der ersten Messung (siehe Stufe 1).

Sind Maßnahmen nicht rechtzeitig umzusetzen, um die Frist zur Kontrollmessung einzuhalten, ist die zuständige Landesbehörde zu kontaktieren. Auf Maßnahmen in Stufe 2 kann in Abstimmung mit der zuständigen Behörde in Ausnahmefällen verzichtet werden, wenn besondere Gründe dafür vorliegen. Beispiele: Ein Lüftungsplan für einen Operationssaal würde den geltenden Hygienevorschriften und dem Infektionsschutzgesetz widersprechen.

Lassen sich trotz aller Maßnahmen die Werte nicht unter 300 Bq/m³ senken, müssen Maßnahmen der Stufe 3 folgen.

Stufe 3: Meldung des Arbeitsplatzes an die zuständige Landesbehörde und Abschätzung der Strahlenbelastung bei fortdauernder Überschreitung des Referenzwertes

Die Anmeldung umfasst

  • Um was für einen Arbeitsplatz handelt es sich und wie viele Arbeitsplätze sind betroffen?
  • Ergebnisse der Messungen aus Stufe 1
  • Welche Maßnahmen zur Reduzierung der Radon-Konzentration wurden ergriffen?
  • Ergebnisse der Kontrollmessungen aus Stufe 2
  • Welche (weiteren) Maßnahmen sind geplant, um die Strahlenbelastung der betroffenen Arbeitskräfte durch das Einatmen von Radon zu reduzieren?

Darüber hinaus müssen die Gewerbetreibenden die sogenannte Radon-Exposition für die Beschäftigten an diesem Arbeitsplatz abschätzen und das Ergebnis der Abschätzung der zuständigen Landesbehörde mitteilen.

Nichts verstanden? Normal. Lassen Sie sich von unseren Expert*innen beraten.

Kontakt:

Dipl.-Ing. Volker Gutzeit
Radon Messdienstleister (TÜV)
Tel: +49 2131 752918-31
E-Mail: volker.gutzeit@unitronic.de

Ergibt die Abschätzung der Belastung an einem Arbeitsplatz eine zu erwartende Jahresdosis unter 6 Millisievert, sind Gewerbetreibende verpflichtet, die Radon-Exposition an diesem Arbeitsplatz unter Berücksichtigung aller Umstände so gering wie möglich zu halten und die Abschätzung regelmäßig zu überprüfen. Maßnahmen zur Verringerung der Radon-Exposition kann zum Beispiel die Beschränkung der Arbeitszeit an bestimmten Orten.

Ergibt die Abschätzung der Belastung, dass die Jahresdosis einen Wert von 6 Millisievert überschreiten wird, müssen Maßnahmen der Stufe 4 folgen.

Stufe 4: Anforderungen des beruflichen Strahlenschutzes müssen eingehalten werden

Neben beschriebenen Maßnahmen zur Verringerung der Radonexposition sind das unter anderem das Führen eines Strahlenpasses bei Arbeiten in fremden Betriebsstätten und die regelmäßige arbeitsmedizinische Untersuchung. Die zuständige Landesbehörde kann auch das Einrichten von Strahlenschutzbereichen in der Arbeitsstätte veranlassen.

Außerdem muss die Strahlendosis der Betroffenen dauerhaft gemessen werden (Personenexposimeter), um zu überwachen, in welchem Maße sie am Arbeitsplatz ionisierender Strahlung ausgesetzt sind. Die Dosimeter dafür werden von durch die Bundesländer bestimmten Messstellen bereitgestellt.

Gewerbetreibende müssen die Betroffenen im Strahlenschutzregister des BfS zu registrieren. Das Strahlenschutzregister überwacht, dass die Grenzwerte für die zulässige jährliche Strahlenbelastung und die Berufslebensdosis aller registrierten Beschäftigten eingehalten werden.

Schutzmaßnahmen in privaten Aufenthaltsräumen

Verpflichtende Maßnahmen (gleich ob Messungen oder Sanierungen) sieht der Gesetzgeber nur im gewerblichen Bereich vor. Man muss sich aber im Klaren sein, dass die Gefahr von Lungenkrebs durch Radon im privaten Umfeld nicht geringer und die Aufenthaltsdauer in der Regel sogar länger ist.

Auch hier gilt: Sicherheit bringt nur eine Messung.

Die Radonkonzentration lässt sich bereits durch einfache, teils sogar kostenlose, Maßnahmen reduzieren.  Regelmäßiges Lüften hilft sehr, am besten nach einem Lüftungsplan, den man sich selbst auferlegt und in dem man jeden Lüftungsvorgang abhakt.

Eine einfache Maßnahme ist auch die Unterbindung der so genannten Konvektion innerhalb des Gebäudes. Konvektion meint den Luftaustausch von unten nach oben (und umgekehrt) durch Temperaturunterschiede (auch „Kamineffekt“ genannt). Dies ist insbesondere in der Heizperiode der Fall.

Beispielsweise kann eine vorhandene Kellertür abgedichtet werden, damit weniger bis keine belastete Luft mehr aus dem Keller in die bewohnten oberen Geschosse eindringt.

Bei offenen Treppenhäusern kann durch Umbauung des Treppenabsatzes im EG einschließlich einer dichtenden Tür ein Eindringen verhindert werden.

Eine ebenfalls einfache Maßnahme ist, durch einen kleinen Ventilator für einen leichten Unterdruck in den Kellerräumen zu sorgen, damit Luft stets aus den oberen Geschossen in den Keller strömt und nie umgekehrt. Hierbei sind aber unbedingt bauphysikalische Rahmenbedingen zu berücksichtigen, damit es im Sommer nicht zu einem Feuchteschaden durch Taufeuchtigkeit kommt. Lassen Sie sich unbedingt durch unsere Expert*innen beraten.

Wichtig sind in jedem Fall Kontrollmessungen, um den Erfolg der gewählten Maßnahmen zu überprüfen! Eine Prognose ist nicht möglich!

Davon unabhängig sollte alle 5 – 10 Jahre oder nach baulichen Veränderungen erneut gemessen werden. Im Laufe der Zeit kann es zu neuen Eintrittspfaden die die Radonsituation eines Gebäudes nachhaltig ändern. Insbesondere eine energetische Ertüchtigung eines Gebäudes (Einbau dichter Fenster, Fassadendämmung) kann zu einer drastischen Erhöhung der Radonkonzentration führen.

In schwierigeren Fällen sind Maßnahmen von Doppelboden mit Absaugung im Keller bis hin zu Radonbrunnen unter dem Fundament und/oder hinter Kellerwänden oder Radonbrunnen außerhalb des Gebäudes vorstellbar.

Bei Neubauten seinen Radonvorsorgemaßnahmen bereits in der Planungsphase dringen empfohlen, in Radonvorsorgegebieten sind sie sogar verpflichtend.

Unsere Radon Exposimeter

Um Sie beim Umgang mit der Radonstrahlung zu unterstützen bieten wir Ihnen zertifizierte Exposimeter für den Privaten­gebrauch wie auch dem Schutz am Arbeitsplatz.

Wichtig: Kurzzeitmessungen können einen ersten Überblick, insbesondere im Privatbereich bringen. Nach Strahlenschutzgesetz / Strahlenschutzverordnung muss im gewerblichen Bereich eine Langzeitmessung mit akkreditierten Exposimetern über 12 Monate erfolgen. Wenn dringend Zwischenergebnisse nötig sind (beispielsweise bei Verdacht auf sehr hohe Konzentrationen) sind Ausnahmen möglich. Bitte stimmen Sie sich hierzu mit unseren Expertinnen und Experten ab. 

Diese können Sie hier bestellen!

Ihr Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Volker Gutzeit
Radon Messdienstleister (TÜV)
Tel: +49 2131 752918-31
E-Mail: volker.gutzeit@unitronic.de

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