Radon – Wann müssen Messungen vorgenommen werden?

Aus Uran, das natürlicherweise in Böden und Gesteinen vorhanden ist, entsteht durch radioaktiven Zerfall Radon. Es ist ein so genanntes Edelgas, das normalerweise keine chemischen Verbindungen eingeht und daher sehr beweglich ist: Es strömt ungehindert durch Erd- und Gesteinsschichten hindurch und kann sich so in Kellern und den unteren Geschossen von Gebäuden anreichern. Radon und seine Zerfallsprodukte sind Ursache Nummer 2 für Lungenkrebs direkt nach dem Rauchen. Etwa fünf Prozent dieser Todesfälle sind auf Radon in Gebäuden zurückzuführen. Weitere Erläuterungen im Kapitel „Was macht Radon so gefährlich“ 

Zum Januar 2021 haben die Bundesländer so genannte Radonvorsorgegebiete festgelegt. Wenn auf mindestens 75 Prozent der Fläche einer „Verwaltungseinheit“ in mindestens 10 Prozent der Gebäude eine Überschreitung des Richtwertes von 300 Bq/m³ zu erwarten ist, ist diese „Verwaltungseinheit“ ein Radonvorsorgegebiet.

Dieses Vorgehen ist in Fachkreisen sehr umstritten, da eine „Verwaltungseinheit“ nicht näher festgelegt ist und bei großflächiger Wahl des Gebietes kritische Bereiche im Mittelwert „verschwinden“. Besonders deutlich wird dieser Trick in der Eifel im Grenzgebiet zu Belgien. Während auf belgischer Seite die Grenzgebiete zu NRW und Rheinland-Pfalz „knallrot“, also sämtlich Radonvorsorgegebiete sind, gibt es in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz kein einziges Vorsorgegebiet. Natürlich macht Radon nicht an der Grenze halt, sondern Häuser, Wohnungen und Arbeitsplätze sind in Grenznähe hochgradig belastet, werden aber nicht berücksichtigt.

Wie dem auch sei, die aktuellen Vorsorgegebiete finden Sie auf einer interaktiven Karte des Bundesamtes für Strahlenschutz, Änderungen sind zu erwarten:

https://www.imis.bfs.de/geoportal/

Welche Messungen müssen durchgeführt werden?

Die Verteilung von Radon im Boden, in der Luft und in Innenräumen vorkommt, ist in Deutschland regional stark unterschiedlich. Während in der norddeutschen Tiefebene die Radonkonzentrationen meist niedrig ist, sind in den Mittelgebirgen, im Alpenvorland und in Gegenden mit Endmoränen (Geröllablagerungen) aus der letzten Eiszeit deutlich höher. Aber auch lokal sind die Messwerte dramatisch unterschiedlich. Eine Prognose für ein Grundstück oder ein Gebäude ist nicht ableitbar.

Messungen am Arbeitsplatz

Vor dem Kauf einer Bestandsimmobilie sei empfohlen, eine Messung durchzuführen oder das Ergebnis einer bereits durchgeführten Messung zu verlangen. Eine (im Sinne der Analytik negative) Radonmessung erhöht die Wertigkeit eines Gebäudes und sei jedem Gebäudebesitzer angeraten, unabhängig davon, ob die Immobilie in einem Radonvorsorgegebiet steht oder nicht.

Grundlage für Messungen am Arbeitsplatz sind das Strahlenschutzgesetz (StrlSchG) und die Strahlenschutzverordnung (SrtlSchV). Danach sind Gewerbetreibende (Arbeitgeber*innen ebenso wie Selbständige!) dazu verpflichtet, die Radonkonzentrationen an allen Arbeitsplätzen zu ermitteln, wenn

  • der Arbeitsplatz sich in einem Radon-Vorsorgegebiet befindet
  • der Arbeitsplatz, unabhängig von den Radonvorsorgegebieten bundesweit, zu einem Radon-Arbeitsfeld gezählt wird (Wasserwerke, Bergwerke, Besucherbergwerke, Schächte, Stollen, Höhlen und Radonheilbäder sowie Radonheilstollen)
  • die zuständige Landesbehörde eine Messung für den betroffenen Arbeitsplatz anordnet (wenn es Hinweise auf eine erhöhte Radon-Konzentration vorliegen)

Bei den auszuführenden Messungen müssen/mussten bestimmte Fristen eingehalten werden: Innerhalb von 18 Monaten nachdem ein Radon-Vorsorgegebiet ausgewiesen wurde, der betroffene Arbeitsplatz eingerichtet worden ist oder die Messung von einer Landesbehörde angeordnet worden ist muss eine Messung durchgeführt werden.

Ein Arbeitsplatz ist dabei definiert als „Ort, an dem sich eine Arbeitskraft während ihrer Berufsausübung regelmäßig oder wiederholt aufhält“. Arbeitsplatz bezieht sich also auf die Räumlichkeiten und nicht auf die Personen.

Angesichts der Ausweisung der Vorsorgegebiete im Januar 2021 waren Arbeitgeber*innen in diesen Gebieten also gesetzlich verpflichtet, an allen Arbeitsplätzen im Erdgeschoss und in Untergeschossen spätestens Ende Juni 2021 mit den Messungen zu beginnen. Da diese Frist bereits verstrichen ist, ist Eile geboten! Die Gewerbetreibenden haben eine Dokumentationspflicht zu diesen Messungen. Die zuständige Behörde kann Einblick in diese Unterlagen verlangen. Wenn diese nicht für alle Arbeitsplätze vorgelegt werden können, stellt dies eine Ordnungswidrigkeit dar, die empfindliche Strafen nach sich ziehen kann.

Messungen in Wohngebäuden

Bei Wohngebäuden ist die Radonmessung im Gegensatz zu Arbeitsplätzen freiwillig und vom Gesetzgeber im Strahlenschutzgesetz / in der Strahlenschutzverordnung nicht zwingend vorgesehen. Jedoch ist Radon im Privathaushalt natürlich keineswegs ungefährlicher, als an Arbeitsplätzen. Es sei daher dringend an Privatpersonen appelliert, zumindest Unter- und Erdgeschosse messen zu lassen und zwar unabhängig von den Vorsorgegebieten. Nur eine Messung bringt Klarheit und Sicherheit.

Auch wenn Sie planen, ein Haus zu kaufen sei empfohlen, eine Messung durchzuführen oder das Ergebnis einer bereits durchgeführten Messung vom Verkäufer zu verlangen. Eine (im Sinne der Analytik negative) Radonmessung erhöht den Wert eines Gebäudes und sei jedem Gebäudebesitzer angeraten, unabhängig davon, ob die Immobilie in einem Radonvorsorgegebiet steht oder nicht.

Generell sei Vorsicht bei älteren Bestandsgebäuden angeraten, deren Baurichtlinien nicht den heutigen Neubauten entsprechen. Aber auch Neubauten sollten nach Fertigstellung untersucht werden, um festzustellen, ob die Radonschutzmaßnahmen ausreichend waren bzw. fachgerecht ausgeführt wurden. 

Zudem sollten alle 5-10 Jahre Nachmessungen vorgenommen werden, da im Laufe der Zeit auch kleinere Schäden am Gebäude, z.B. Setzungsrisse, Alterung von Fugen, Verstopfungen des Lüftungssystems oder der Drainage etc., dem Radon einen Weg geben, ins Gebäude einzudringen und sich anzureichern.

Eine Radonsanierung sollte unbedingt von Fachleuten geplant und ausgeführt werden. Lassen Sie ich durch uns beraten. Lassen Sie ich in jedem Fall die entsprechenden Kenntnisse unbedingt nachweisen und, wenn möglich, auch durch Referenzobjekte belegen. 

Mitglieder im Unitronic-Expertennetzwerk müssen ihre Kenntnisse beispielsweise durch die erfolgreiche Absolvierung eines Sachkundelehrgangs des TÜV Rheinland in unserem Hause nachweisen. Andere gleichwertige Zertifikate ebenfalls anerkannt.

Die Sanierungskontrollmessung sollte keinesfalls vom planenden und/oder sanierenden Unternehmen durchgeführt werden, sondern durch eine unabhängige dritte Partei!

Wie wird eine Messung durchgeführt?

Um eine bundeseinheitliche Qualität der gesetzlichen Pflichtmessungen am Arbeitsplatz sicherzustellen, muss eine Messung über einen Zeitraum von 12 Monaten durchgeführt werden.

Durch tages- und jahreszeitliche Schwankungen der Radonexhalation aus dem Boden können Kurzzeitmessungen allenfalls einen ersten Anhaltspunkt liefern. Bei kürzeren Messungen ist nur der positive Nachweis (also Messwerte deutlich größer als 300 Bq/m²) eindeutig. Ein Messwert einer Kurzzeitmessung unter 300 Bq/m³ bedeutet keine Sicherheit!

Wichtig: Kurzzeitmessungen nur im Privatbereich! Kurzzeitmessungen sind für Arbeitsplatzmessungen nur in ganz wenigen Ausnahmefällen zulässig! Lassen Sie sich gegebenenfalls beraten!

Gemäß §155 der Strahlenschutzverordnung müssen Messungen mit Messgeräten von anerkannten Anbietern durchgeführt werden, damit die resultierenden Ergebnisse von den zuständigen Behörden auch akzeptiert werden.

Unitronic arbeitet innerhalb der Lagercrantz-Group mit dem Schwesterunternehmen Radonova zusammen, das vom BfS gemäß §155 des Strahlenschutzgesetztes für die Radonanalyse anerkannt ist.

Die Pflichtmessungen an Arbeitsplätzen müssen von einem/einer zu bestimmenden Verantwortlichen durchgeführt und dokumentiert werden. Ein*e Verantwortliche*r kann im Unternehmen selbst befindlich sein oder auch extern bestimmt werden (Dienstleister, Sachverständigenbüro). Die Verantwortung für den Umgang mit den Ergebnissen geht jedoch nach der Messung wieder auf den Gewerbetreibenden über.

Die Dokumentierung der Probenahme (Probenahmeprotokoll: wer hat wann wo wie und womit gemessen, Fotos!!!) und die Ergebnisse der Messungen müssen bis zu einer möglichen nächsten Messung aufbewahrt werden. Die zuständige Behörde kann Einblick in diese Unterlagen verlangen. Wenn diese nicht für alle Arbeitsplätze vorgelegt werden können, stellt dies eine Ordnungswidrigkeit dar, die empfindliche Strafen nach sich ziehen kann. 

Die Resultate müssen den betroffenen Arbeitskräften wie auch dem Personalrat oder Betriebsrat mitgeteilt werden. Sollten Fremdfirmen tätig sein, müssen diese auch informiert werden, damit die Informationen bis zu den betroffenen Personen gelangen.

Bei baulichen Veränderungen am untersuchten Gebäude sind unmittelbar erneute Messungen durchzuführen. Bauliche Veränderungen sind zum Beispiel:

  • Energetische Ertüchtigung (Fassadendämmung, Einbau energiesparender Fenster und/oder Türen)
  • Umbaumaßnahmen (Entfernen, Neueinbau und/oder Umsetzen von Wänden)
  • Änderung oder Einbau einer Lüftungstechnik (z.B. Klimaanlage, Abluftanlage)
  • Umnutzung von Räumen (z.B. aus einem Archiv werden Büroräume)
  • Anbauten, (Teil)Abrisse
  • Etc.

Unsere Radon Exposimeter

Um Sie beim Umgang mit der Radonstrahlung zu unterstützen bieten wir Ihnen zertifizierte Exposimeter für den Privaten­gebrauch wie auch dem Schutz am Arbeitsplatz.

Wichtig: Kurzzeitmessungen können einen ersten Überblick, insbesondere im Privatbereich bringen. Nach Strahlenschutzgesetz / Strahlenschutzverordnung muss im gewerblichen Bereich eine Langzeitmessung mit akkreditierten Exposimetern über 12 Monate erfolgen. Wenn dringend Zwischenergebnisse nötig sind (beispielsweise bei Verdacht auf sehr hohe Konzentrationen) sind Ausnahmen möglich. Bitte stimmen Sie sich hierzu mit unseren Expertinnen und Experten ab. 

Diese können Sie hier bestellen!

Ihr Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Volker Gutzeit
Radon Messdienstleister (TÜV)
Tel: +49 2131 752918-31
E-Mail: volker.gutzeit@unitronic.de

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