Was macht Radon so gefährlich?

Bei seinem radioaktiven Zerfall sendet Radon radioaktive Strahlung aus. Auch seine Zerfallsprodukte (radioaktives Blei, Polonium, Bismut) zerfallen weiter, sind dann aber partikelförmig und lagern sich in der Lunge ab. Durch ihre radioaktive Strahlung schädigen sie die Erbinformation im Lungengewebe. Tückisch ist, dass man dieses Gas nicht riecht, schmeckt oder sieht.

Es gibt für Deutschland eine Radonkarte, in der durchschnittliche gemessene Radonkonzentrationen in der Bodenluft verzeichnet sind. Diese Karte gibt erste Hinweise auf problematische Gebiete. Allerdings ist das Raster sehr grob (10km²). Aussagen zur Radonkonzentration in einzelnen Gebäuden oder im Baugrund bestimmter Grundstücke können aus der Karte keinesfalls abgeleitet werden. Auch die für die Verpflichtung zu Radonmessungen an Arbeitsplätzen zugrundeliegenden Risikogebiete sind sehr grob gerastert. In der Eifel ist beispielsweise die Grenzregion Belgiens durchweg Risikogebiet, diesseits der Grenze jedoch nicht. Radon macht natürlich nicht an der Grenze halt, sondern die dortigen hohen Werte „verlieren“ sich im Durchschnittswert der von den Landesregierungen flächenmäßig groß gewählten Gebiete. 

Die Situation in einem bestehenden Gebäude kann folglich nur durch Messungen der Radonkonzentration in der Raumluft ermittelt werden.

Die Radonkonzentration ist stark von den Wetterbedingungen und den dadurch bedingten tages- und jahreszeitlichen Schwankungen abhängig. Zur Ermittlung der Jahresdurchschnittskonzentration ist daher ist eine Langzeitmessung notwendig und im Strahlenschutzgesetz / in der Strahlenschutzverordnung für Untersuchungen am Arbeitsplatz auch gefordert. Kurzzeitmessungen, insbesondere in der Übergangszeit zum Winter, können aber einen ersten Anhaltspunkt liefern. Bei Messungen kürzer als 3 Monate ist jedoch nur der positive Nachweis (also Messwerte deutlich größer als 300 Bq/m²) eindeutig. Ein Messwert einer Kurzzeitmessung unter 300 Bq/m³ bedeutet keine Sicherheit!

Wann ist die Radonkonzentration gefährlich?

Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutzes (BfS) liegt der Jahresmittelwert der Radonkonzentration in der Außenluft zwischen 5 Bq/m³ bis 30 Bq/m³. In Innenräumen liegt der bundesweite Durchschnittwert bei 50 Bq/m³. Es gibt aber Gegenden (unter anderem die Radonvorsorgegebiete) in denen die Konzentrationen ungleich höher sind, bis zu mehrere 1.000 oder selten gar mehrere 10.000 Bq/m³. Selbst lokal sind die Unterschiede dramatisch groß.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt seit Jahren einen Grenzwert von 100 Bq/m³. Der WHO zufolge gibt es bei Radon keine Nullrisiko. Der Außenluftwert sollte daher angestrebt werden, was jedoch praktisch nicht umsetzbar ist. Im Strahlenschutzgesetz / in der Strahlenschutzverordnung hat sich das „alltägliche-Risiko-Konzept“ durchgesetzt. Bei 300 Bq/m³ errechnet sich danach eine 16%ige Erhöhung des Lungenkrebsrisikos, was als tolerabel angesehen wird. Da sich eine Radonkonzentration in Innenräumen jedoch in aller Regel mit einfachen Mitteln senken lässt, sei an dieser Stelle eine freiwillige Senkung unter den Referenzwert von 300 Bq/m³ dringend empfohlen.

Radon kann, wie gesagt, von unseren Sinnesorganen nicht wahrgenommen werden, was die Lokalisierung und die Schutzmaßnahmen erschwert. Daher können Menschen der Strahlung über viele Jahre ausgesetzt sein, ohne es zu bemerken. Die Dosis (wie lange wieviel) ist entscheidend für den Ausbruch einer Krebserkrankung.

Welche Effekte hat Radon auf den Menschen?

Radon ist statistisch gesehen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Dies ist zurückzuführen auf die von Radon ausgehende ionisierende Strahlung, welche entsteht wenn Elektronen sich aus der Hülle der Atome bzw. Der Molekül lösen und als Alpha-, Beta-, Gamma-, Röntgen- und Neutronenstrahlung zurückzuführen sind.

Wenn Radon radioaktiv zerfällt, entstehen als kurzlebige Folgeprodukte radioaktive Isotope von Polonium, Wismut und Blei. Kaum zu glauben, aber aus dem Gas werden ultrafeine Partikel, die sich in der Luft an Staubteilchen anlagern.

Radon und seine Folgeprodukte werden mit der Luft eingeatmet. Während das gasförmige Radon fast vollständig wieder ausgeatmet wird, lagern sich die radioaktiven Folgeprodukte an das empfindliche Lungengewebe an und zerfallen dort weiter. Bei diesem entsteht Alphastrahlung. Diese Strahlung kann die Zellen in der Lunge schädigen, insbesondere das darin enthaltene Erbgut bzw. die DNA. Dadurch entsteht Lungenkrebs.

Für alle anderen Organe ist die Strahlendosis selbst bei erhöhten Radonkonzentrationen sehr klein. Dies gilt auch bei Schwangeren für deren Ungeborenes. Belege dafür, dass durch langjährige erhöhte Radonkonzentrationen in geschlossenen Räumen andere Erkrankungen als Lungenkrebs entstehen können, gibt es bisher nicht.

Atmet man Radon und seine radioaktiven Folgeprodukte über einen längeren Zeitraum in erhöhtem Maße ein, steigt das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.

Das Internationale Krebsforschungszentrum (IARC) in Lyon, ein Ableger der Weltgesundheitsorganisation WHO, stuft Radon als nachgewiesen krebserregend für den Menschen ein. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) und die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK) haben sich dieser Bewertung angeschlossen.

Das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, ist umso größer, je mehr Radon in der Atemluft ist und je länger der Zeitraum ist, in dem Radon eingeatmet wird. Es steigt mit der langjährigen Radon-Konzentration in der Wohnung linear an, ergaben Studien.

Ein im Auftrag des BfS durchgeführtes Forschungsprojekt hat ermittelt, dass rund fünf Prozent aller Todesfälle durch Lungenkrebs Radon zugeschrieben werden können. Das sind rund 1.900 Todesfälle pro Jahr. Damit ist Radon nach dem Rauchen Ursache Nummer 2 für Lungenkrebs.

Das Risiko für Kinder wird derzeit gezielt untersucht. Anhand der Tatsache, dass Kinder zwei- bis dreimal schneller atmen als Erwachsene und somit belastete Partikel schneller in die Atemwege gelangen, vermuten Wissenschaftler bei Kindern ein erhöhtes Risiko. Das Lungenkrebsrisiko sei bei Kindern zudem höher, da sie eine höhere Replikationsrate von Zellen haben, somit die mutierten Lungenzellen schneller wachsen, was zu einer schnelleren Entwicklung von Krebs führen könnte.

Wo befinden sich Radon Risikogebiete?

Das Strahlenschutzgesetzt verpflichtet Bundesländer, bis Ende 2020 Gebiete als Radon-Vorsorgebiete auszuweisen, in denen befindlichen Gebäuden eine hohe Konzentration von Radon zu erwarten ist.

 Ein Vergleich mit den Radon-Risikogebieten in unseren Nachbarländern lassen jedoch vermuten, dass zukünftig weitere Gebiete als Risikogebiete ausgewiesen werden könnten. Wegen der flächenmäßig „großzügigen“ Bemessung der Beurteilungsareale durch die Bundesländer „verschwinden“ Gebiete mit hohen Radonkonzentrationen in den Durchschnittswerten. Dies ist gegenwärtig Anlass zu heftigen Diskussionen in Fachkreisen.

Übersichtskarte der Radon-Vorsorgegebiete in Deutschland

Für diese Einschätzung spricht auch die Radonkarte Deutschlands (Radonaktivitätskonzentration in der Bodenluft)

Karte zur Radonkonzentration in der Bodenluft

Zusammenfassung

  • Radon in Innenräumen erhöht das Lungenkrebsrisiko.
  • Es gibt kein Nullrisiko. Pro 100 Bq/m³ steigt das Risiko um jeweils 16%. Eine Absenkung auf ein möglichst niedriges Niveau ist daher sinnvoll.
  • Das Lungenkrebsrisiko steigt linear mit der Konzentration.
  • Das Lungenkrebsrisiko steigt mit der Dauer.
  • Raucher*innen habe ein besonders hohes Lungenkrebsrisiko.
  • 5% der Lungenkrebstodesfälle sind auf Radon zurückzuführen, jährlich ca. 1.900 leicht zu vermeidende Todesfälle.
  • Ein vermutetes zusätzlich erhöhtes Risiko für Kinder bedarf weiterer Forschungen, sollte aber vorsorglich berücksichtigt werden.

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Wichtig: Kurzzeitmessungen können einen ersten Überblick, insbesondere im Privatbereich bringen. Nach Strahlenschutzgesetz / Strahlenschutzverordnung muss im gewerblichen Bereich eine Langzeitmessung mit akkreditierten Exposimetern über 12 Monate erfolgen. Wenn dringend Zwischenergebnisse nötig sind (beispielsweise bei Verdacht auf sehr hohe Konzentrationen) sind Ausnahmen möglich. Bitte stimmen Sie sich hierzu mit unseren Expertinnen und Experten ab. 

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Ihr Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Volker Gutzeit
Radon Messdienstleister (TÜV)
Tel: +49 2131 752918-31
E-Mail: volker.gutzeit@unitronic.de

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